Dienstag, 5. Dezember 2023

Deich- und Hauptsielverband Seestermüher Marsch

Verbandsvorsteher
Thies Kleinwort
Schadendorf 48
25436 Neuendeich

Die Sielverbände Wisch-Kurzenmoor und Seestermühe sind Mitglieder im DuHSV Seestermüher Marsch.

Entwässerung und Sturmflutschutz in der Seestermüher Marsch
– Aufgaben der Sielverbände und des Deich- und Hauptsielverbandes –
(Ausführungen von Oberdeichgraf Heinrich Kahlke, Neuendeich, anlässlich der Vorstellung der Wasser- und Bodenverbände am 29.09.1999; ergänzt u. aktualisiert in 02/2021)
Die Sielverbände „Seestermühe“ und „Wisch-Kurzenmoor“ bzw. der „Deich- und Hauptsielverband Seestermüher Marsch“ (DuHSV) sind als Körperschaften des öffentlichen Rechts zuständig für die regionale Entwässerung sowie den Schutz vor Sturmfluten.
Die Erfüllung dieser Aufgaben wird maßgeblich bestimmt durch die besonderen landschaftlichen Gegebenheiten und die Wasserführung in der Elbe:

I. Kurzer landeskundlicher Abriss und wasserwirtschaftliche Problemstellung
Entwicklung der Marsch:
Die Seestermüher Marsch umfasst eine Fläche von rund 5.000 ha. Sie wird eingerahmt vom Geestrücken zwischen Uetersen und Elmshorn und den Flüssen Krückau, Pinnau und Elbe.
Die Marschen im Urstromtal der Elbe sind durch Ablagerung von Sedimenten entstanden. Mit der Flutströmung erfolgt dieser Bodentransport, wobei sich elbnah der schwere Sand und dann der leichtere, fruchtbare Klei (Schluff und Ton) ablagert. Dieser Prozess spielte sich in den letzten 5.000-10.000 Jahren ab. Allererster Deichbau und Kultivierung der Elbmarschen setzte im 11. bzw. 12. Jahrhundert ein. Hierbei halfen insbesondere holländische Siedler und Baumeister der Marsch ihr charakteristisches Bild zu geben: So sind gegen Ende des Mittelalters systematisch i. d. R. 20 m breite Beete, mit Grüppen und Gräben, sowie Entwässerungssiele in neu errichteten Deichen entstanden. Dieses Entwässerungs- und zugleich Sturmflutschutzsystem ist seit dem 17. Jahrhundert bis nach dem 2. Weltkrieg strukturell weitgehend unverändert geblieben.
Die Seestermüher Marsch weist in grober Gliederung drei Bereiche mit sehr unterschiedlichen Höhenlagen auf:
Moorland: Das Moorland ist durch organische Böden geprägt und erstreckt sich vor dem Geestfuß zwischen Uetersen, Nordende und Elmshorn: In Kurzenmoor liegen viele Dauergrünlandflächen unter NN 0,00 m (tiefste Stelle bei – 1 m NN).
Altmarsch: Der Bereich zwischen Moorland und Mitteldeich weist Kleiauflagen unterschiedlicher Mächtigkeit auf und liegt höhenmäßig um + 0,80 bis + 1,00 m NN.
Der Seestermüher Außenkoog, der erstmals 1903 durch einen Sommerdeich gesichert wurde, liegt höhenmäßig bei über + 2,00 m NN.

Wasserwirtschaftliche Problemstellung:
Die Elbe hat vor der Seestermüher Marsch einen Tidenhub von ca. 3,10 m, mittleres Niedrigwasser („Ebbe“) und Hochwasser („Flut“) liegen bei NN – 1,40 m bzw. NN + 1,70 m. Ohne Deiche, vor allem aber ohne Siele und Schöpfwerke würden weite Teile der Seestermüher Marsch mit jeder normalen Flut unter Wasser stehen.
Allein in den letzten 50 Jahren sind zahlreiche Sturmfluten mit Wasserständen von mehr als NN + 4,00 m zu verzeichnen gewesen. Ohne Deiche würden diese Wellen bis an den Geesthang branden und die Niederungen bis weit oberhalb von Elmshorn und Uetersen überschwemmen.

II. Sielverbände sorgen für Entwässerung
Um 1960 wurden umfassende Veränderungen im 300 Jahre alten Entwässerungssystem eingeleitet. Die kleineren Entwässerungsverbände (sog. Duchten) wurden aufgelöst und die beiden Sielverbände „Seestermühe“ und „Wisch-Kurzenmoor“ gebildet.
An der Krückau wurden 2 Schöpfwerke errichtet und die Entwässerung des Moorlandes und der Altmarsch durch Ausbau von Vorflutern erheblich verbessert. Damit ging eine Absenkung des Grundwasserspiegels um ca. 1 m einher.
Heute werden von den Sielverbänden die beiden Schöpfwerke sowie ca. 80 km offene Wettern und rund 30 km Rohrleitung unterhalten; dabei werden die Vorgaben des Gewässer- und Artenschutzes berücksichtigt. Die Unterhaltungsmaßnahmen werden im Rahmen der jährlichen Gewässerschauen überprüft.
Für den Seestermüher Außenkoog, d. h. außerhalb des DuHSV-Gebietes, ist nach Bau des Landesschutzdeiches (1967-68) ein neuer Wasser- und Bodenverband gebildet worden, der in diesem Bereich für die Gewässer- und Sommerdeichunterhaltung zuständig ist.

III. Deich- und Hauptsielverband ist (mit-)verantwortlich für Sturmflutschutz
Der 1942 gegründete DuHSVSeestermüher Marsch unterhält die 20 km lange Mitteldeichstrecke von Uetersen über Neuendeich, Seestermühe und Seester bis nach Elmshorn. Die Funktions- und Widerstandsfähigkeit der Mitteldeiche wird durch kurzrasige Grasnarben und einen gehölzfreien Deichkörper gewährleistet. Dies wird durch angepasste Bewirtschaftung (v. a. Schafgräsung) und Überprüfung im Rahmen regelmäßiger Deichschauen sichergestellt.
Die 1966/67 gebauten Sperrwerke an Pinnau- und Krückaumündung sowie der Landesschutzdeich vor der Seestermüher Marsch werden vom Landesbetrieb für Küstenschutz (LKN) unterhalten. Damit sind seit 1969 die Marsch und die niedrig gelegenen Innenstadtbereiche von Elmshorn und Uetersen vor Sturmfluten geschützt.

IV. Ausblick für die Seestermüher Marsch
Die Seestermüher Marsch hat ein funktionsfähiges Entwässerungssystem und ist mit zwei Deichlinien, wie sie nur in wenigen Marschen vorzufinden sind, gut gesichert vor Sturmfluten.
Die schwere Sturmflut vom 04.02.1825 führte letztmalig zu einem Deichbruch mit anschließender flächendeckender Überschwemmung der Seestermüher Marsch. Die Innenstädte von Elmshorn und Pinneberg sind zuletzt am 23.02.1967 nach einer Sturmflut überschwemmt gewesen.
In den letzten Jahrzehnten hat die Häufigkeit schwerer Sturmfluten zugenommen. Sehr regenreiche Sommerhalbjahre (z. B. 2002) führen zu bordvollen Vorflutern, lokal überschwemmten Flächen und ggf. nassen Kellern. Diese Vorboten des Klimawandels sind unübersehbar.
Die Natur und die Auswirkungen des Klimawandels sind unberechenbar bzw. lassen sich nicht sicher prognostizieren. Dies bedeutet, dass Deich- und Hauptsielverband und Sielverbände gemeinsam mit allen Bürgerinnen und Bürgern in wachsendem Umfang auf eine leistungsfähige Entwässerung und wehrhafte Mitteldeiche achten müssen.